Tenodera sp. Thaungyin kommt dem Namen nach aus der Grenzregion zwischen
Thailand und Myanmar und leitet sich von dem burmesischen Namen des Moei
Rivers ab.
Diese Art fällt besonders durch ihre Farbenpracht auf. Beide Geschlechter
können unterschiedlich gefärbte Streifen am unteren Rand der Deckflügel
haben: Ein sattes Grün bis hin zu einem sehr bläulichen Türkis, aber auch weiß
bis zu einem zarten rosé ist möglich. Die Oberseite der Deckflügel sowie der
Thorax sind meist bräunlich in unterschiedlichen Schattierungen, können aber
auch grün oder türkis sein. Das Abdomen kann von unten betrachtet ebenfalls
in verschiedenen Tönungen von blassbraun bis rotbraun vorkommen. Die
Färbung der Jungtiere sagt nichts über die spätere Farbgebung der adulten
Tiere aus.
Wie typisch für die Gattung Tenodera hat auch diese Art einen länglichen,
eleganten und grazilen Körperbau und eine dunkle Längszeichnung entlang der
Innenseite des Femurs. Die Hinterflügel sind dunkelgemustert und haben nach
vorne einen dunkelroten Rand.
Weibchen erreichen durchschnittlich etwa 9 cm Körperlänge, Männchen bleiben
mit rund 7 cm etwas kleiner. Im Gegensatz zu den meisten Mantiden stehen die
Flügel nicht nur bei den Männchen etwa 1cm über das Abdomen hinaus,
sondern auch bei den Weibchen. Durch den Größenunterschied und den noch
schmaleren Bau sind die Geschlechter dennoch auf den ersten Blick zu
unterscheiden. Die Weibchen haben wie üblich sechs Segmente am Abdomen
und die Männchen durch das unterteilte letzte Segment acht.
Im Wesen zeigt sich die Art unerschrocken, zugleich aber vorsichtig und
sensibel. Dem Menschen gegenüber zeigen sie keinerlei aggressives Verhalten
und es ist sehr unwahrscheinlich, aus Versehen geschlagen zu werden. Auch bei
Fütterung mit der Pinzette agieren sie eher vorsichtig und lassen sofort los,
wenn sie aus Versehen die Pinzette erwischt haben.
Auch untereinander verhalten sie sich wenig aggressiv und lassen sich bei
genügend Platz, Deckung und Futter sogar in Gruppen halten. Bei Futtermangel
fressen sie sich aber auch schon am ersten Tag nach dem Schlupf. Solange aber
immer genug Futtertiere vorhanden sind, verhalten sie sich eher friedlich und
präferieren eher Fliegen als noch kleinere Artgenossen.
Sie fressen grundsätzlich alles, bevorzugen jedoch häufigere Mahlzeiten aus
kleinerer Beute, anstatt seltene große Futtertiere. In L1 füttert man sie am
besten mit einem Mix aus großen und kleinen Drosos. In L3 nehmen sie bereits
Terfly und steigen mit der nächsten Häutung auf Goldfliegen um. Ab L5 sind
auch Schmeißfliegen kein Problem. Auch andere Futtertiere in den
entsprechenden Größen kann man ihnen anbieten. Die adulten Weibchen
können zwar auch große Grillen und mittlere Blaptica dubia erbeuten, jagen
aber bevorzugt mittlere Grillen und kleine Schaben. Zwischendurch sollten
immer wieder Fliegen zur Verfügung stehen. Die Männchen fressen deutlich
weniger und sind auch adult mit großen Fliegen zufrieden.
Für die Einzelhaltung hat sich ein 30-40 cm hohes Terrarium mit guter Belüftung
bewährt, das genügend Platz zum Klettern bietet. Wichtig bei Tenodera im
Vergleich zu anderen Arten ist es weniger waagrechte als vor allem senkrechte
Sitzgelegenheiten anzubieten. Besonders bei Weibchen kann es bei zu kräftiger
Fütterung und fehlenden vertikalen Sitzmöglichkeiten zum Abknicken des
Hinterleibs kommen, was Verdauungsprobleme bis hin zur tödlichen
Darmobstruktion nach sich zieht. Korkwände oder die Haltung in Gazevolieren
sind ein Muss. Zusätzlich sollte das Terrarium mit vielen dicht
beieinanderstehenden, senkrechten oder leicht schrägverlaufenden Ästen
bestückt sein. Bei einem Gazedeckel oder einem Zweig-Himmel kann auf
weitere horizontale Äste gänzlich verzichtet werden. Lediglich bei den
Häutungen sind waagrechte Äste sinnvoll, sie können auch bei den adulten
Tieren entfernt werden oder man gestaltet das Terrarium entsprechend um.
Die Temperaturen dürfen tropisch warm sein, ein Temperaturverlauf im
Terrarium von 28 bis 32 Grad am Tag. Es kann in der Mittagszeit auch gerne 35
Grad direkt an der Lichtquelle haben, die Mantiden sollten sich aber auch in
kühlere Bereiche des Terrariums zurückziehen können. In der Nacht sollte die
Temperatur auf etwa 18-20 Grad fallen, eine Wärmequelle ist sicherlich in den
meisten Wohnungen nicht notwendig. Die Luftfeuchtigkeit liegt idealerweise bei
etwa 50 bis 70 Prozent. Das erreicht man durch gelegentliches Besprühen,
wobei Staunässe unbedingt vermieden werden sollte. Je feuchter das Terrarium
ist, desto besser muss die Belüftung sein.
Die Nachzucht gelingt grundsätzlich gut, erfordert aber einiges an
Vorbereitung. Die Weibchen sind ca. 4 Wochen, die Männchen 2 Wochen nach
Adulthäutung geschlechtsreif. Die Weibchen sind bei gutem Futterzustand
während der Paarung eher mäßig aggressiv, d.h. nur in Ausnahmen wird das
Männchen gefressen insofern erfordert die Paarung vom Halter wenig Geschick.
Die Tiere verbleiben in den meisten Fällen auch nach der Paarung friedlich
beieinander.
Nach einer erfolgreichen Paarung produziert das Weibchen viele zylindrisch
geformte Ootheken, die es mit der Oberseite an Ästen oder
Einrichtungsgegenständen befestigt. Unter warmen und feuchten Bedingungen
schlüpfen nach bereits etwas weniger als vier Wochen mehrere hundert winzige
Nymphen. Diese sind zwar robust, zeigen aber von Beginn an starken
Kannibalismus, wenn nicht gleich geeignetes Futter zur Verfügung steht. Sie
lassen sich mit ständigem Futter und ausreichend Platz dennoch gut und ohne
große Ausfälle aufziehen – etwa 60x40x40 cm pro Oothek sollte man einplanen.
Da das Weibchen im Abstand von 10-12 Tagen jeweils eine Oothek absetzt,
schlüpfen auch die Jungtiere in diesem Abstand. Ein Weibchen kann durchaus
zehn und mehr Ootheken im Laufe ihres Lebens produzieren, daher sollte man
über genügend Raum für die Aufzuchtbehälter verfügen. Wer sich für die Zucht
entscheidet, sollte bedenken, dass schnell eine sehr große Zahl an Tieren zu
versorgen ist.
Sie häuten sich etwa im Rhythmus von 10 Tagen und bereits nach einem Monat
sind die Nymphen einer Oothek nicht mehr auf Drosos angewiesen. Allerdings
ist der Hunger der Kleinen groß und es empfiehlt sich immer einen Mix aus
verschieden großen Futtertieren in entsprechender Menge anzubieten.
Alles in allem ist Tenodera sp.Thaungyin eine beeindruckende und dennoch recht
unkomplizierte Art, die auch Anfängern empfohlen werden kann. Die Tiere sind
robust, wachsen schnell heran und sind durch ihr hübsches Äußeres und ihr
eindrucksvolles Jagdverhalten interessante Beobachtungstiere. Lediglich die
massenhafte Nachzucht stellt eine Herausforderung dar, doch wer die Tiere
einfach als Einzelgänger pflegt, hat mit ihnen ein äußerst spannendes Insekt,
das jeden Betrachter in seinen Bann zieht und ein Schmuckstück für das
Terrarium ist.
