Warum Porcellio laevis keine gute „Bodenpolizei“ ist
Asseln werden in der Terraristik oft als sogenannte „Bodenpolizei“ eingesetzt. Sie zersetzen organisches Material, fressen Futterreste und helfen dabei, ein stabiles Mikroklima im Terrarium zu schaffen.
Eine Art wird dabei besonders häufig angeboten: Porcellio laevis.
Doch so beliebt sie ist – als Bodenpolizei bringt sie einige deutliche Nachteile mit sich.
1. Extrem starke Vermehrung
Porcellio laevis gehört zu den vermehrungsfreudigsten Asselarten überhaupt.
- schnelle Generationszyklen
- viele Jungtiere
- hohe Überlebensrate
Ergebnis:
Die Population kann innerhalb kurzer Zeit explodieren.
Das führt dazu, dass:
- das biologische Gleichgewicht gestört wird
- andere Mikroorganismen verdrängt werden
- das System „kippen“ kann
2. Hoher Proteinbedarf – Risiko für Tiere
Im Gegensatz zu vielen anderen Asseln hat P. laevis einen stark ausgeprägten Proteinbedarf.
Wenn dieser nicht gedeckt wird, kann es problematisch werden:
- Anfressen von frisch gehäuteten Tieren
- Schäden an geschwächten oder ruhenden Tieren
- dokumentiertes Verhalten bei Spinnen und anderen Wirbellosen
Besonders kritisch:
- während der Häutung (weiche Haut!)
- bei kleinen oder geschwächten Tieren
Hier wird aus „Bodenpolizei“ schnell ein Risikofaktor.
3. Verdrängung anderer Bodenorganismen
Durch ihre aggressive Vermehrung und Aktivität verdrängt Porcellio laevis häufig andere, sinnvollere Arten:
- Springschwänze
- kleinere Asselarten
- Mikrofauna
Problem:
Ein funktionierendes bioaktives System lebt von Vielfalt – nicht von Dominanz einer einzigen Art.
4. Pflanzenfraß
Ein weiterer Nachteil:
Porcellio laevis ist nicht rein detritivor.
Das bedeutet:
- sie frisst nicht nur abgestorbenes Material
- sondern kann auch lebende Pflanzen anfressen
Besonders betroffen:
- weiche Blätter
- junge Triebe
- Moose
In bepflanzten Terrarien kann das schnell zu sichtbaren Schäden führen.
Einordnung: Wann ist sie trotzdem geeignet?
Trotz der Kritik hat Porcellio laevis auch Einsatzbereiche:
- als Futtertier
- in separaten Zuchtboxen
- in sehr großen, robusten Systemen
Aber:
Als klassische „Bodenpolizei“ im sensiblen Terrarium ist sie meist nicht die beste Wahl.
Fazit
Porcellio laevis wird oft als Allround-Lösung verkauft – ist es aber nicht.
Ihre Eigenschaften:
- extreme Vermehrung
- hoher Proteinbedarf
- Konkurrenzverhalten
- potenzieller Pflanzenfraß
machen sie in vielen Terrarien eher zu einem Problemorganismus als zu einer Hilfe.
Für stabile bioaktive Systeme sind meist kleinere, weniger aggressive Arten die bessere Wahl.
