Embia savignyi
Tarsenspinner
E. savignyi ist eine äußerst interessante und selten gehaltene Art aus der Ordnung der Tarsenspinner (Embioptera). Diese Tiere stammen von der spanischen Kanareninsel Fuerteventura, wo sie sich in trockenen, warmen Regionen unter Steinen, Rinde oder Holz verstecken.
Was sie besonders macht? Anders als Spinnen besitzen sie ihre Spinndrüsen nicht am Hinterleib, sondern in den Vorderbeinen. Mit diesen bauen sie feine Wohnröhren und Gespinste, in denen sie sich verstecken, fressen und fortpflanzen.
Herkunft & Klima
Die Tiere stammen aus trockenen Küsten- und Steinregionen.
Vor Ort herrschen je nach Jahreszeit:
Temperaturen: 16–30 °C
Luftfeuchtigkeit: 15–60 %
Da kaum Literatur zur Haltung dieser Art existiert, habe ich mich stark an diesen natürlichen Klimawerten orientiert.
Haltung
Ich halte meine Tiere aktuell in einer 6-Liter-Dose (Aternativ Assel starterset) mit:
Einfacher Belüftung (Doppelbelüftung halte ich nicht für nötig, da die Tiere ohnehin bodennah in engen Verstecken leben)
Temperatur: 23–28 °C (je nach Jahreszeit, Raumtemperatur genügt)
Luftfeuchtigkeit: Wird 1× pro Woche leicht gesprüht, trocknet dann über die Woche ab – das kommt den Bedingungen auf Fuerteventura recht nahe.
Einrichtung
Bodengrund: Waldhumus oder Erde
Auflage: Laub, kleine Zweige, Rindenstücke & Steine
Diese dienen als Ankerpunkte für ihre Gespinste, in denen sie leben und sich zurückziehen
Ernährung
Die Tiere fressen bei mir:
Hauptsächlich abgestorbenes Laub
Gelegentlich auch tote Insekten (werden aktiv ins Gespinst gezogen und dort gefressen)
Auffällig: Alles Futter wird ins Wohnnetz eingetragen – ähnlich wie bei manchen Netzspinnen oder sozialen Insekten.
Fortpflanzung & Verhalten
Eiablage: ca. 50–100 Eier pro Gelege
Geschlechterdimorphismus:
Männchen: besitzen Flügel, flugfähig nur eingeschränkt
Weibchen: flügellos und bleiben meist im Gespinst
Männchen können durch Einpumpen von Hämolymphe ihre weichen Flügel stabilisieren und sie zur Imponierstellung aufrichten.
Zusätzlich produzieren sie Geräusche, indem sie mit den Fühlern aneinander oder an Objekten reiben – vermutlich zur Kommunikation mit Weibchen.
Fazit
E. savignyi ist eine seltene und unterschätzte Art, die sich durch ihr interessantes Verhalten und ihren einzigartigen Körperbau von vielen anderen Wirbellosen abhebt. Die Kombination aus Netzbau, geheimnisvollem Leben unter Rinde und spannenden Paarungsritualen macht sie zu einem echten Geheimtipp für Liebhaber ungewöhnlicher Arten.
Trotz ihrer Schlichtheit faszinieren sie durch Beobachtungen bei der Netzpflege, Futteraufnahme und sozialen Interaktion. Für Halter*innen, die gerne weniger bekannte Tierarten erforschen, ist E. savignyi absolut empfehlenswert.
