
Ohrwurm, nur ein Songtext im Kopf? oder Ein exklusives Haustier?
Ohrwurm, Ohrkneifer oder Ohrzwicker – fast jeder kennt die kleinen Kerlchen aus Garten oder Natur. Was viele nicht wissen: Die zur Ordnung Dermaptera gehörenden Insekten sind echte Nützlinge – und nicht das, wofür sie ihr Name manchmal fälschlich halten lässt.
Nützling im Garten
Vor allem unsere heimischen Arten wie Forficula auricularia werden in der biologischen Schädlingsbekämpfung eingesetzt.
In vielen Obstplantagen hängen Gärtner gezielt mit Holzwolle gefüllte Tontöpfe in die Bäume, um Ohrwürmer anzusiedeln – und damit gegen Blattläuse, Raupen und Larven vorzugehen.
Was sie fressen, hängt von der Art ab:
Die meisten ernähren sich pflanzlich, andere gehen sogar aktiv auf Insektenjagd.
Herkunft des Namens – und Mythen
Der Name „Ohrwurm“ stammt nicht daher, dass sie in Ohren kriechen – sondern aus dem Mittelalter, wo getrocknete Tiere zu Pulver zermahlen wurden. Dieses „Heilmittel“ sollte angeblich gegen Ohrenschmerzen helfen.
„Ohrkneifer“ wiederum kommt von einem alten Aberglauben: Man dachte, sie würden sich mit ihren Zangen in den Gehörgang bohren – völliger Unsinn natürlich.
Die Zangen (Cerci) dienen bei den Männchen vielmehr dazu, Weibchen zu imponieren, und werden teilweise auch zur Verteidigung oder beim Beutefang eingesetzt – aber nicht zum Kneifen von Menschen.
Mit Flügeln – aber lieber zu Fuß
Ohrwürmer haben tatsächlich flügel, die sie kunstvoll zusammenfalten können – fast wie Origami.
Trotzdem fliegen sie so gut wie nie. Sie bewegen sich lieber zu Fuß fort. Nur in Ausnahmefällen, etwa bei Gefahr, können sie springen – bis zu 60 cm weit oder hoch, was bei ihrer Körpergröße beachtlich ist.
Verbreitung
Ohrwürmer kommen in fast allen Lebensräumen weltweit vor:
Küstenregionen und Sandgebiete
Tropische Regenwälder
Steppen
Heimische Wälder und Gärten
Die kleinste bekannte Art ist Eugerax poecilum mit gerade einmal 3,4 mm Körperlänge.
Die größte heute noch lebende Art ist Titanolabis colossea mit etwa 50 mm, während die ausgestorbene Labidura herculeana sogar bis zu 80 mm groß wurde.
Haltung im Terrarium
Fast alle Arten bauen Wohnhöhlen im Substrat und betreiben dort eine erstaunlich ausgeprägte Brutpflege – die Mutter bleibt bei den Eiern und kümmert sich um die frisch geschlüpften Larven bis zur zweiten Häutung.
Wenn du sie in durchsichtigen Boxen hältst, kannst du mit etwas Glück beobachten, wie sie ihr Nest bauen und pflegen.
Tipp: Die Seiten der Box mit Papier oder roter Folie abdecken – das schafft dunkle, geschützte Bereiche und regt das natürliche Verhalten an. (Genau das liegt auch unseren Starter-Sets bei.)
Ernährung & Pflege
Die Haltung ist wirklich einfach:
Als Nahrung dienen Laub, tote Insekten, Gemüse, je nach Art auch Flechten und andere organische Reste.
Wichtig ist ein leicht feuchtes Substrat, Versteckmöglichkeiten wie Rinde oder Moos – und eine luftige, aber nicht zugige Umgebung.
Für wen geeignet?
Ohrwürmer sind eher nachtaktiv und ziehen sich tagsüber zurück – daher sind sie nicht unbedingt ein Tier für kleine Kinder, die ständig etwas sehen wollen.
Aber für Teenager, ältere Halter*innen oder Naturbegeisterte, die Freude an Beobachtung und artgerechter Haltung haben, sind sie spannende und pflegeleichte Terrarientiere.
Fazit
Ohrwürmer sind:
- nützlich im Garten
- spannend im Verhalten
- einfach zu halten
- und werden viel zu oft unterschätzt.
Wer ihnen eine Chance gibt, bekommt ein ruhiges, interessantes und völlig ungefährliches Haustier mit ganz eigenem Charakter – und lernt dabei einiges über Insektenverhalten, Brutpflege und Tarnung.
